Krankenhaushygiene verbessern: 40.000 Tote sind zu viel!
vom 21.01.2011
BERLIN. In Deutschland sterben fast zehnmal so viele Menschen durch mangelnde Krankenhaushygiene als im Straßenverkehr. Das wollen die Bundestagsabgeordneten und Mitglieder des Gesundheitsausschusses Jens Ackermann (Sachsen-Anhalt) und Lars Lindemann (Berlin) endlich ändern:
„Es kann nicht angehen, dass in Deutschland im Jahr 2011 zigtausende Menschen sterben, nur weil es an notwendigen Hygienestandards für Krankenhäuser und Pflegeheime im ganzen Land mangelt. Wir können den Menschen nicht länger zumuten, dass sie unter Umständen kränker aus dem Krankenhaus kommen, als sie hinein gegangen sind.
Das größte Problem sind die multiresistenten Keime, denn sie sind nahezu unbehandelbar. Wer infiziert ist, leidet massiv – und das oft über Jahre – oder stirbt.“
Viele Menschen haben diese Keime auf der Haut, doch zur Gefahr werden sie erst bei den Kranken und Schwachen. Um die Infektionen künftig besser in den Griff zu bekommen, wollen die FDP-Gesundheitsexperten Ackermann und Lindemann Risikogruppen definieren. Patienten, die besonders von einer Besiedlung durch die gefährlichen Keime betroffen ein können, sollen künftig auf die gefährlichen Bakterien untersucht werden. Wird ein Befall erkannt, werden sie isoliert und sorgfältig behandelt. Denn nur so kann die Gefahr gebannt werden, dass die Keime in Krankenhäuser eingeschleppt und andere Patienten gefährdet werden.
Dass das möglich ist, zeigen die Niederlande: Während in Deutschland die gefährliche Killermutante MRSA über zwanzig Prozent aller isolierten Keime dieser Art ausmacht, ist es in unserem Nachbarland unter einem Prozent.
„Das ist eine Katastrophe“, sagen Ackermann und Lindemann. Beide haben den Keimen den konsequenten Kampf angesagt. Noch diesen Monat soll es entsprechende Gesetzesvorschläge geben.
Ackermann und Lindemann fordern im Einzelnen:
1. Einheitliche Standards: bundeseinheitliche Hygieneverordnung mit einheitlichen Mindeststandards und einer Verbindlichkeit der RKI-Richtlinien – Wie im Straßenverkehr brauchen wir auch bei der Krankenhaushygiene einheitliche Richtlinien
2. Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes durch Einrichtung eines Bundeshygieneregisters – Wir brauchen ein standardisiertes Erfassungs-, Informations- und Melderegister. Nur so erhalten wir notwendige Daten über die Hygiene-Seuche.
3. Anpassung und Erweiterung der existierenden Finanzierungsmechanismen – Die Bekämpfung der gefährlichen Keime ist eine ethische Notwendigkeit, sie sollte uns Geld Wert sein. Und: Menschen, die hiervon nicht befallen sind, müssen nicht so lange in Krankenhäusern bleiben. Das spart Geld.
4. Definition von MRSA-Risikogruppen, Screening und Sanierung von Risikogruppen bzw. MRSA-Infizierten – Die gefährlichen Keime müssen rechtzeitig erkannt werden.
5. Verbesserung der Transparenz – Die Patienten müssen wissen, welche Krankenhäuser und Pflegeheime gute Hygienestandards haben!
6. Implementierung eines rationalen, bundesweiten Antibiotika-Einsatzes – In Deutschland wird in der Behandlung von Krankheiten zu schnell und undifferenziert auf Antibiotika zurückgegriffen. Das Problem: Durch einen maßlosen, undifferenzierten Einsatz werden
Keime irgendwann gegen diese Behandlung resistent. Das ist ein Problem!
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